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Norwegen und Hallo Finnland

Norwegen – Hallo Finnland!

„Wo wollt ihr hin?“ so begrüßte uns die Stadt Alta in der Finmark-Nordnorwegens. Bernd, ein Pfälzer, Hundeschlittenfahrer und Huskyfarmbesitzer, nahm uns mit und zeigte uns einen wundervollen Platz am Alta River im Canyon, wo gerade die Lachse zum Laichen den Fluss nach oben schwommen und er auch sein Hof hat. 

Die Finmark bot uns mit Kiefernwäldern, Flüsse und Seen wieder ein ganz anderes Bild von Norwegen.

An diesem Stellplatz trafen wir auch ein Forscherteam aus Tromsö und Trondheim, welche sich gerade mit dem Projekt -Lachswanderung- beschäftigten. Leider waren deren Forschungen von einem ungezähmten Strom etwas behindert. Es war den Anglern kaum möglich Fische uns dem Fluss zu holen, da die Schneeschmelze aus dem Fjell für ein um diese Jahreszeit nicht ungewöhnliches Hochwasser sorgte.  

Elu und Tara waren natürlich gleich bei der Farm von Bernd. Ca. 30 Huskyhunde erwarteten sie dort, welche sich über tägliche Streicheleinheiten freuten, sie durften viel über Hundschlittenrennnen und über eine andere Lebensweise ganz oben im Norden erfahren. Hier wird nämlich noch ordentlich Walfleisch(in Maßen), guter Lachs, Elch und Rentier vernascht, damit man nicht friert im Winter. Etwas ungewöhnlich für uns, aber ganz klar, sehr wichtig für viele kalte Schneetouren. Die Winter sind extrem lang und kalt. Noch vor 2 Wochen gab es hier Berge von Schnee. Wo in Deutschland jetzt alle froh sind, dass die Birkenpollen vorüber sind, kehrt hier erst mal ein Hauch von Frühling ein. Mitte Mai und kein Schnee mehr, dass ist hier schon ein Anzeichen von Frühling.

 

Kira geht von uns

Seid wir Mitte April Stockholm verlassen haben, ist Kira etwas verändert. Sie hatte keine Lust mehr auf Spaziergänge, war etwas lethargisch, schlief viel und das Futter war nicht mehr nach ihrem Geschmack. Es gab dann wieder gutes Fleisch und auch mal Fisch, dieses fand sie dann kurz hervorragend. Wir dachten eher, es sei eine Art von „Ich muss mich jetzt mal an die Mitsommernachtszeit gewöhnen oder mir ist es gerade alles einfach zu viel“. Trotz  Pausen und Ruhe, zeigte sich dann auf den Lofoten ein angeschwollener Bauch, welcher immer mehr zunahm. Wir schauten jetzt genauer hin. Die Nase begann an zu laufen, Stuhlgang war mal so mal so. Eiter floss vermehrt aus der Vagina. Mmh. Was war da los? Tara bekam wechselnd ein komisches Gefühl, fing an zu weinen. Elu und mir erging es ähnlich. Dazu kommt, dass ich es irgendwie erahnt habe, dass Kira nur ein Teil unserer Reise bei uns sein wird. Klingt komisch, aber war so. Es kam dann in Alta. Nachdem wir Bernd kennenlernen durften und ihm unser Problem mit Kira schilderten, er ist ja über Jahre sehr erfahren mit Hunden, dachte auch er an die Gebärmutter. Das Forscherteam, welche einen Veterinär an Ort und Stelle hatten, bekamen unsere Situation mit und schickten uns einen sehr netten Tierarzt noch am selben Abend vorbei. Dieser kam zum Steyni, schaute sich Kira an und seine Prognose war, Gebärmutter ist entzündet und sie bedarf eines Antibiotikums. Nun jeder der mich kennt, weiß das ich diesem widersprochen hätte. Nun in diesem Falle und nach langem Überlegen, nahmen wir dieses an. Bernd besorgte es uns am nächsten Tag und Kira bekam diese dann morgens und abends. Für Experimente mit Globulis und Co, war mir die Situation zu Akut und zu heikel.

16.5.18, einen Tag nachdem der Tierarzt vom Team bei Kira war, fanden wir, dass der Bauch von Kira richtig groß und hart wurde. Jetzt suchten wir doch einen Tierarzt auf, welcher ein Ultraschall vom Unterbauch machen konnte. Die Gebärmutter war voll mit Eiter, sodass nichts anderes erkennbar war. Tumor, Zyste, was auch immer. Nichts zu sehen, da es riesig groß war. Jetzt gab es zwei Möglichkeiten,  Op-mit Aufschnitt des kompletten Bauchraumes und raus mit der Gebärmutter (man muss dazu sagen, dass Kira 9 ½ Jahre war und für ihre Rasse schon sehr alt geworden ist) oder eine Behandlung mit Hormonspritzen bis zu 15 Tagen und mehr und mit einer Chance von 40% das es heilt. Diese sollten die Öffnung der Gebärmutter aktivieren damit der Eiter raus kommt. Die Ärztin sagte aber gleich dazu, dass diese Methode nur bedingt etwas bringt und immer wieder kommt. Oh man ich sag euch, was für Nachrichten. Wir überlegten. Op – Nein, Hormonspritze-mmh na gut. Wir nahmen erst mal eine und schauten wie es sich entwickeln würde. Am nächsten Tag öffnete sich die Gebärmutter. Ard und ich massierten den Bauch und strichen den blutigen Eiter aus der Gebärmutter von Kira aus. Es war gut, sie wirkte danach etwas lebendiger. Allerdings bekam sie jetzt auch schon Schmerztabletten. Kira zog sich zurück, buddelte sich ein riesiges Loch und lag apathisch am Fluss. Dieses Bild ergab sich jetzt jeden Tag. 

Zwei Tage später wurde das Bild nicht besser. 

Die Information ereilte mich mit Ohrenschmerzen. „Lasst sie gehen, sie schafft es und ist soweit.“

In Hammerfest haben wir dann alle vier beschlossen, dass es Zeit war sich von Kira zu verabschieden. Es war ein Qual sie so zu sehen. Schweren Herzens begaben sie Tara und Ard zum Tierarzt und schickten Kira in den Himmel. Wir fuhren danach Richtung Nordkapp und wussten, dass wir Kira´s Hülle nicht einfach irgendwo hinbringen wollten, sondern sie ehrwürdig verabschieden wollten. Wir fanden ca 40 km vorm Nordkapp einen wunderschönen Ort. Hoch auf den Berg wollten wir sie bringen mit einem wundervollen Ausblick auf den Atlantik. Dies taten wir auch. 

Kira, du warst so eine wundervolle, ganz liebenswerte Hundedame. Es fällt sehr schwer diese Zeilen zu schreiben, jeder der sie kannte, weiß was ich jetzt gerne ausdrücken möchte. Du fehlst uns sehr. In unserem Herzen hast du einen Platz bekommen und wir sind immer mit dir verbunden. 

In Liebe deine Elu, Tara, Ard und Nadine

 

Am selben Abend fuhren wir noch zum Nordkapp, es war 22:00 Uhr, es windetet, wir besichtigten, machten unser typisches Foto, waren kurz beeindruckt und fuhren wieder. Wie in einer Starre befanden wir uns auf dem Weg. Am darauffolgenden Tag, führte es sich fort. Los fahren, Navi einstellen, irgendwohin fahren. Ziellos, Leer, etwas fehlte. Kurz vor Lakslev hielten wir an einem Campingplatz, die vergebene Suche, um eine Waschmaschine, stellte sich als eine Herausforderung heraus. Alle Campingplätze waren geschlossen oder die Maschinen gab es nicht. An einem dieser besagten Campingplätze, trafen wir kurz auf Luisa, welche mit ihrem Fahrrad unterwegs war Richtung Helsinki. Vorher ist sie 3000km hoch zum Nordkapp alleine mit dem Bike in 36 Tagen gefahren. Hut ab. 

Wir beschlossen weiter zu fahren und blieben wie immer eigentlich Autark stehen. 

Am 20.5.18 entschlossen wir uns, während wir so fuhren, die Richtung zu ändern und uns auf den Weg nach Finnland zu machen. Und schau an wen trafen wir auf diesem Weg -Luisa-. Ich kurbelte die Scheiben runter und fragte, ob sie ein Stück mitfahren will, da es recht stark windete. Sie war begeistert und somit hatten wir einen Beifahrer, interessante Gespräche und einen Schlafgast mehr im Auto. Was doch für ein Platz in unserem Auto ist. Super. Unserer Stimmung hellte sich auf und wir fuhren gemeinsam nach Finnland. In das Land der Bäume, Seen und der Nebensaison. Alles hat geschlossen, nur die Natur nicht. 

Die Suche nach einem offenen Campingplatz mit Waschmaschine gestaltete sich hier noch etwas mehr als kompliziert. Der Wäscheberg häufte sich langsam, die Kids meinten sie hätten nix mehr im Schrank, naja stimmt nicht ganz und ich hatte mich schon im Eissee Wäsche waschen gesehen. Wäre alles kein Problem, wenn da nicht diese gerade vorübergegangene Winterzeit wäre. Auch hier war erst noch vor 2 Wochen eine Masse an Schnee zu sehen. Doch gestern am 22.5.18, endlich, eine Waschmöglichkeit. 3 Waschmaschinen und 5 Stunden Trocknung später, waren alle Schränke mit wohlduftender Wäsche wieder bestückt. 

Jetzt sitze ich hier am Rechner, wir stehen mal für 1 – 2 Tage und genießen die Ruhe und die Landschaft. Lassen alles sacken, was in der letzten Woche bei uns angeflattert kam und sind tatsächlich immer noch sehr dankbar über unsere Entscheidung diese Reise zu machen. Wir sortieren zusammen unsere Gefühle, reden drüber und fassen zusammen was all die lieben Menschen, welche wir begegnen, uns mit auf dem Weg geben. 

Erkenntnis für diesen heutigen Tag: Wir haben definitiv zu schnell und zu wenig Zeit für uns vier gehabt. Konnten durch Ablenkung im alten Heim, gar keine klaren Gedanken finden, geschweige denn, konnten wir nicht verstehen was Gefühle, die unterdrückt werden von Sport, Arbeit und sonstiger Ablenkungen, mit uns machen wenn wir sie nicht zulassen. Hier kann man diese nicht einfach verstecken oder überspielen. Das ist auch gut so, es ist unser gemeinsamer Weg, zusammen haben wir uns diesen ausgesucht und zusammen werden wir diesen auch weiter gehen, wo auch immer das sein wird.

Ihr Lieben zu Hause, fühlt euch umarmt. 

 

Eure Schuschus  -Nadine-

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Nisi (Mittwoch, 23 Mai 2018 16:48)

    Ihr Lieben, es macht soviel Spaß das alles von euch zu lesen. Ich sitze gerade mitten im Wedding auf einer Parkbank und warte darauf das Amy aus der Musikschule kommt. Kurz liefen mir Tränen über die Wangen als ich das mit Kira lass aber ihr habt die richtige Entscheidung getroffen. Ich denke fest an euch und schicke ein wenig Berliner stinkeluft rüber� Kuss eure Nisi

  • #2

    Die Bergies (Mittwoch, 23 Mai 2018 21:19)

    Ihr lieben... :*
    Auch wir verfolgen euch regelmäßig und lesen zu gern eure liebevoll verfassten Texte. Bei Kyra liefen mir (Anja) die Tränen...

    Wir schicken euch sonnige Grüße aus der Heimat und freuen uns weiterhin über eure lebendigen Einträge.

    Fühlt euch umarmt von den Bergies

  • #3

    Die Hechts (Donnerstag, 24 Mai 2018 14:07)

    Hallo ihr Lieben,

    Wunderschön geschrieben und alles richtig gemacht. In Gedanken sind wir die ganze Zeit bei euch vieren. Ihr macht das gut so �

    Anja, Christian, Jonas, Manuel und Emil