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Abschied aus Skandinavien

Abschied aus Skandinavien

Wir haben unser 1. kleines Etappenziel erreicht. 8950 km sind wir nun in den vergangenen 3 Monaten gefahren. Haben dabei 2640 Liter Diesel in den Tank gespült, der sich dem Vortrieb geschuldet, durch den Verbrennungsraum des Motors, seinen Weg über die nicht ganz dichte Abgasanlage, in einem zum Teil steilen Höhenprofil, in tiefschwarzen Rauchschwaden dem ein oder anderen Hintermann die Sicht nehmend, den Weg nach draußen bahnte. 

Wissend bei der Planung, das Skandinavien eine nicht gerade preiswerte Reiseroute ist, verschlug es uns doch das ein oder andere Mal den Atem. Ob an der Tankstelle oder im Lebensmittelfachgeschäft überall kann man fast ein Viertel höhere Kosten als in Deutschland planen. Nicht mal die Spezialitäten der Region(Riesenkrabben Nordnorwegens) waren preiswerter, geschweige denn besser zu finden. Zum Teil hat Kaufland in Oranienburg eine bessere Auswahl an Produkten aus dem Norden als hier zu finden. 

Die Kosten für Campingplätze beliefen sich auf überschaubare 200€ im Monat. Sind allerdings auch meist nur zu Stande gekommen, um die Wäscheberge im Steyni wieder abzubauen und damit den Anwesenden mehr Platz zum treten zu geben. 

Den Abschied aus dem Norden nahmen wir Rund um Helsinki. Die Region und Stadt überraschte mit einem angenehmen Flair. Wie alle skandinavischen Hauptstädte liegt auch Sie am Meer. In einer echt sehenswerten Scheerenlandschaft die unser Begleiter seit den Kleinstädten Rauma und Turku waren. In Finnland verbrachten wir dann nun doch mehr Zeit als zunächst gedacht. Was zum Teil natürlich der langen Wegstrecke geschuldet war, die wir auf unserem Weg Richtung Süden zurück legten. Hier haben wir dann auch endlich den Duft des Frühlings in uns aufsaugen können und waren begeistert wie sich die Landschaft um uns herum veränderte. Kurz vor der lappischen Hauptstadt Rovaniemi, konnten wir in 100 km Schritten den Wachstumsstand der zahllosen Lupinien am Straßenrand beobachten. In dieser Region hielten wir selbstverständlich auch wieder auf dem nördlichen Polarkreis um unsere obligatorischen Fotos zumachen. Doch was soll ich euch sagen, der dort ansässige Tourismusverband hat mit so einem alten Zausel, mit weißem Bart und ewig gleichem CocaColafarbenen Outfit eine riesige Elfenzwangsarbeiterfabrik errichtet. Wie durch ein Nadelöhr deutlich auch per Luftbildaufnahmen zu erkennen, werden alle freien Geister aus dem Norden kommend, hier durch geschläust und mit dem krankmachenden Zuckerguss der zartschmelzenden, weihnachtlichen Verlockung überzogen. Ein entrinnen nicht möglich, auch wir sind im klebrigen Sirup aus dem die Zuckerstangen und kandierten Äpfel hergestellt werden hängen geblieben. Der Kinder zu liebe, so wie es mir Nadine ganz uneigennützig versicherte. Ich scheue hier auch nicht den Vergleich zu den uns schon bald belästigenden Mückenschwärmen, die bei meiner Oma je ins Stocken gekommen wären und der Weiterreise gehindert, wenn Sie mit Ihren kleinen Beinchen an dem klebrigen Film in der Küche kopfüber anhafteten. – Ich habe es aber unbeschadet überstanden und wir konnten dann auch bald weiter fahren.

Ich möchte Lappland natürlich nicht auf dieses eine Erlebnis reduzieren. Es war für uns in dieser Zeit nun aber auch nicht wirklich mehr gewesen. Da eine ganze Region fast ausschließlich für die Wintersaison ausgerichtet ist. Riesige Hotelkomplexe die komplett geschlossen waren. Alles hier machte den Eindruck als ob man sich von einer mehr als anstrengenden Wintersaison erst einmal erholen müsse. Verständlich wenn man die vielen Angebote genauer studiert. Polarlichter sehen, Schlittenhunde- und Snowmobiltouren, Skiwandern und –abfahrt. Und am Besten alles in einer Woche als Komplettpaket. Zumal ja auch nur eine begrenzte und überschaubare Sommersaison ruft, mit den Freunden aller Finnland Urlauber –Moskitos-. Von denen wir auch mehr als genug hatten. Panzertape diente im Steyni um alle noch so kleinen Lücken abzudichten, da die Quälgeister sich auf Ihrem niemals erlöschenden Durst auf frisches Blut, auch die kleinsten Nischen suchten um in das Innere unseres Domizils zugelangen. Da half dann nur noch die Flucht nach vorne, wir verließen das Landesinnere und fuhren an die Küste. Dieser Route blieben wir dann bis Helsinki treu.

Mit etwas Wehmut blicken wir auf die ersten Wochen zurück. War es doch ein Start der so auch schwer vorhersehbar war. Einem Aufbruch mit gemischten Gefühlen in Deutschland, folgte eine sehr lange Findungsphase mit sehr vielen Tiefen und zu wenigen Höhen. Einem „na Ihr müsst es ja jetzt gut haben“ wie die meisten es einem entgegen schmetterten, konnten wir nichts abgewinnen. Zu sehr waren wir mit der Verarbeitung der Ereignisse und Erlebnisse aus den Monaten vor unserer Abreise beschäftigt. Auch das Zusammenleben auf jetzt nur noch 12 Quadratmeter will abgestimmt werden. Nadine Ihre Verletzung und nicht zu letzt der Tod von Kira. Alles Dinge die jeden Einzelnen von uns beschäftigten und zum Teil ungewohnte Seiten ans Tageslicht gebracht haben. Eine Frage die mir Nadine stellte und das darauf geführte Gespräch, rüttelte besonders mich wach und ließ den Nebel vor meinen Augen weichen, der doch so dicht sich vor mir aufgetürmt hatte. „Steht unsere Beziehung auf dem Spiel?“ – Dieser Tag markiert die Strukturveränderung auch in unserer Beziehung. Auch wenn wir dies in unserem gewohnten Umfeld in Deutschland nie so wahrgenommen haben, stellten wir fest, dass wir eher an einander vorbei lebten. Umso schöner der Genuss, des nun sich einstellenden Verbundenheitsgefühls auf allen Ebenen.

Mit diesen Worten, welche irgendwie auch in dieses melancholische Finnland passen, möchte ich nun den Abschluss finden. 

Eine besondere Freude in Finnland hat uns das Treffen mit Gaby, Sabrina und Kathleen beschert. Vielen Dank für diese gemeinsamen Stunden, in denen viel gelacht wurde, eine Menge Bier die Kehlen runter rann, Pläne für einen gemeinsamen Auftritt im Olympiastadion geschmiedet wurden, wir relaxten am Strand und nicht zu letzt eine tolle Meditation hatten.

Euere SchuSchus -Ard-

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Tatjana Reitz (Donnerstag, 21 Juni 2018 14:25)

    Was für ein toller Beitrag...einfach großartig geschrieben!

    Toll, dass Ihr uns an Eurem Abenteuer teilhaben lasst. Ich wünsche Euch auch weiterhin alles Gute und freue mich schon auf den nächsten Blog-Eintrag :-)!

    Ganz liebe Grüße aus dem grauen Hamburg
    Tatjana

  • #2

    Katja (Donnerstag, 21 Juni 2018 17:56)

    Wunderschöne und ehrliche Zeilen. Man ist doch immer ein wenig mit euch dabei.

    Alles Liebe und Gute euch weiterhin und ach ja, vielen Dank für eure tolle Karte. Wir haben uns mega gefreut.

    Dickes Umärmel.
    Katja und der Rest der Bande

  • #3

    Silki (Freitag, 29 Juni 2018 23:58)

    ...bewegende Worte Ard...dicken Drücker aus Hoppegarten!!