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Estland - Bosporus

Mal eben von Estland an den Bosporus

Nach einer ruhigen Fährüberfahrt und unserer Ankunft am Abend in Tallin, war unsere Skandinavien Reise nun auch geografisch vorbei, wie ein Film liefen die letzten 3 Monate nochmal direkt bei uns ab und ein so komplett anderer Abschnitt unserer Reise sollte beginnen. Einmal mehr wurde uns bewusst wie sehr zuvor geäußerte Absichten und Wünsche sich dann auch später in der Realität wieder finden. Wir haben in der Planungsphase die Länder im Norden schon sehr stark fokussiert, dann spielten Länder wie die Türkei, Georgien und Iran wieder eine Rolle bzw. war es natürlich am Anfang Kasachstan, da die ursprüngliche Route ja über Russland gehen sollte. In beiden Fällen wurden allerdings die 3500 – 4000 km nur als zu fahrende Strecke eingestuft. Nicht fokussiert aber wohlwollend angenommen machten wir uns auf die sehr gut ausgebaute Nord-Süd Trasse, die uns innerhalb weniger Tage durch die 3 baltischen Länder führte, bevor wir in Polen unseren geplanten Werkstattaufenthalt hatten. 

Estland 

In Tallin angekommen verzauberte uns die wunderschöne Altstadt von Tallin. Absolut sehenswert! Wichtig ist nur, dass man wartet bis die zahllosen Touristen wieder auf die im Hafen liegenden Kreuzfahrtschiffen verschwunden sind. Tolle restaurierte Altstadt mit viel Geschichte behaftet. 

Am ersten Abend wurden wir sogleich mit einer anderen Mentalität der Menschen konfrontiert. Wir standen direkt an der Burg der Altstadt, wunderschön, aber die Einflugschneise der Touristen, welche das Stadtzentrum erkundeten. Ein herrlich, ruhiger Platz, dachten wir. Mmh Nee. Wir waren dann quasi das fahrende Museum für viele und wurden tatsächlich bis morgens um 4:00 Uhr belagert, in den verschiedensten Ausführungen, sich lautstark unterhaltender junger Leute, sehr betrunkenen Leuten und auch einfach mal am Steyni-klopfenden Leuten. So war unser Start. In Tallin erlebten wir eine Privatführung durch die historische Altstadt und begaben uns nach ca 4 Tagen in Richtung Lettland. So richtige Ziele gab es diesmal nicht, unser Plan war, Osteuropa nur zu durchfahren und was auf dem Weg der Strecke liegt, nehmen wir mit.

Lettland

Nach einer lang ersehnten, selbstgemachten, veganen (ja das geht sehr gut) schwedischen Apfeltorte, verließen wir Estland und kamen gegen 21:00 Uhr in Riga an. Dies war der Wunsch von Elu. „Ich möchte zu meinem Geburtstag in Riga sein“. Gesagt, getan. Somit verbrachten wir Elu´s 13.Geburtstag als Kurzaufenthalt in der lettischen Hauptstadt, in einer sehr coolen Pizzeria. Schauten unser erstes und letztes Weltmeisterschaftsspiel, Kroatien – Argentinien, auf unserer Reise. Sonst bekamen wir nicht wirklich viel von der Fussball WM mit und am nächsten Tag begrüßte uns dann auch schon Litauen.

Litauen

Am 22.6.18  fanden wir einen ganz wunderbaren, familiären, natürlichen, schön angelegten Campingplatz. Eine Pause kam hier wie gerufen. Wäsche waschen, auftanken, Route planen und etwas in die litauische Kultur eintauchen. Am Tag darauf fand auch hier wie in allen Ländern der Region das Fest zum St. Johannes Tag statt. Traditionell gefeiert mit Trachten, Tänzen und gutem Essen. Nicht zu vergessen dem Alkohol, welcher leider auch hier fast schon in Unmengen konsumiert wird. 

Polen

Am 25.6.18 ging es dann weiter, der Steyni benötigte eine Werkstatt, die 10.000 Kilometermarke ist  erreicht und etwas neue Flüssigkeit musste her. Unser Plan war, all diese Sachen in Polen durch zu führen. So geschah es dann auch. Ölwechsel und ein 15 cm großer Riss am 2. Hinterachsdifferenzial wurden geschweißt. Hier können wir nur sagen, tolle Arbeit. Rangefahren ohne Termin, gleich ran gekommen und nach 2h fertig. 

Allerdings begleitet uns schon seid Flensburg ein stetiges quietschendes Geräusch, was tatsächlich jetzt nicht mehr wirklich auszuhalten war. Auch ein fetten der hinteren Blattfedern beim 1. Werkstatttermin, brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Kamikatzemässig setzte ich mich ans Steuer, Ard ging nach hinten, öffnete während ich fuhr die Seitentür, legte sich auf den Fussboden, hielt das Handy im Videoaufnahmemodus und sich mit halbem Oberkörper aus der Tür und nahm das Geräusch auf. Es war schwer zu lokalisieren, unser Gefühl war, irgendwas mit den hinteren Bremsen. So war es dann auch. Die nächste Truckwerkstatt welche uns ebenso wieder sofort ran nahm, sollte nun diese Aufnahme hören, die Verständigung, trotz SprachApp, gestaltete sich jedoch auch hier wieder etwas schwierig. Englisch sprach hier tatsächlich niemand, aber es funktionierte. Eins zwei fix wurden die Räder abmontiert, an den Bremstrommeln gerüttelt und da war das Problem, zwei Schrauben hatte es erwischt, sie waren abgebrochen, wurden jetzt erneuert und schon war unser Geräusch weg, dazu noch der unschlagbare Preis von 50€. Super. 

Ukraine

Mich begrüßte das Land mit einem Gefühl von Angst, Trauer und Unsicherheit. Zum ersten Mal wurden wir auf unserer Reise mit dem Thema Sicherheit konfrontiert. Jeder mit dem wir über Übernachtungsmöglichkeiten sprachen, verwies auf Stellplätze mit Überwachungskameras. Dieser Hinweis hält allerdings beständig an und wird uns wahrscheinlich noch eine Weile begleiten. Den Zustand der Straßen kann man hier nur als Katastrophal bezeichnen. Hier gab es keine Löcher auf den Straßen, nein hier fehlten tatsächlich Teile der Straße. Eine ausgewiesene Landstraße, welche wir auf 2 Feldwegen neben der eigentlichen Fahrbahn befuhren, wurde nur von Landmaschinen und uns genutzt. Die Städte versprühen den Charme Ostberlins zur Zeit der Wende. Nur mit mehr Autoverkehr. Das Land erschien tatsächlich in einem grauen Zustand, die einzigen Farbtupfer blieben die Menschen die für sich eine Formel der momentanen Zufriedenheit gefunden zu haben schienen. Ich finde gerade keine passenden Worte, es ist traurig anzuschauen, wie die Menschen in Armut leben und denen gegenüber der prassende Luxus einiger weniger gegenüber steht. Ein sehr starkes Ungleichgewicht findet dort statt. Trotz alledem sind die Menschen sehr hilfsbereit, auch wenn keiner Englisch spricht und die Kommunikation mit Hand und Fuss fortgesetzt wurde. Toll war, dass zahlreiches Obst und Gemüse am Straßenrand verkauft wurden, frisch aus dem eigenen Garten. Beim Bezahlen verschlug es mir fast den Atem, da kostete eine riesige Schüssel frischer Himbeeren nur 80 Cent. So ging es die ganze Zeit, dies erfreute unser Herz. Wir haben es geliebt. Nach dem teuren Skandinavien, war dies jetzt eine Erholung. Zwischen zerfallene Häusern und prunkvollen Villen, schlugen wir uns durch die Ukraine. Besuchten die Kaparten und fuhren weiter bis Odessa ans Schwarze Meer. Wir waren wirklich dankbar, als wir in Rumänien ankamen. 

 

Rumänien

Ein Schwung von Fröhlichkeit und Wärme strahlte uns entgegen, beim Überqueren der Grenze. Schon allein die Grenzbeamten zeigten ein Lächeln, als wir auf sie zugefahren kamen und keine 5 Minuten später waren wir auch schon fertig. EU-Land, ein kleines Aufatmen kam in mir hoch, wieder mehr Auswahl bei den Lebensmitteln. Wie in Deutschland gab es hier Lidl, Kaufland und sogar Carrefour mit Preisen wie in Deutschland. 

Unser erstes Ziel war das Donau-Delta, fabelhafte Natur und leider eine kleine Touri-Falle für uns. Naja aus Fehlern lernt man bekanntermaßen ja. Auf einem familiären Campingplatz im Delta angekommen, wurden wir herzlich begrüßt mit Schnaps und Bier. 2h später hatten wir ein Angebot zum Schnellbootfahren im DonauDelta (Touri-Falle) und sollten das Doppelte zahlen, als die Leute am Tag zuvor. ;( Gut das wir Wanja (aus Dresden) und Silviu (aus Rumänien) kennen lernten und diese unsere Geschichte mit bekamen, es klären konnten und wir dann doch nur die Hälfte bezahlen brauchten. Naja lange Rede, es war dann doch ganz nett, aber leider waren wir erst mal enttäuscht von der falschen Gastfreundschaft. Somit war unser Vertrauen und Gefühl für Rumänien angeknackst. Wir sollten auch tatsächlich weiterhin sehr vorsichtig sein, so wurde es uns geraten, jeder Rumäne hat ein Schlitz im Ohr. Nach der Donau-Fahrt verließen wir den Campingplatz schleunigst und wollten unbedingt ans Schwarze Meer und ein paar Tage ruhig stehen. Das Universum spielte uns zu. Ein Biosphärenreservat und ein fast menschenleerer Strand, direkt am Meer mit weißem Sandstrand, ließ uns 5 Tage erholen und ein anderes Bild von diesem schönen Land  bekommen. Wir trafen eine rumänische Familie welche uns netterweise mitnahm, als  Ard und ich, bei 35 Grad, 5 Kilometer zum Supermarkt laufen wollten und uns die Moskitos so dermaßen attackierten, dass wir so dankbar waren, als eine rumänische Familie mit dem Auto neben uns hielt und uns mitnahmen und sogar, obwohl sie woanders hin wollten, wieder zurück brachten. Ebenfalls trafen wir eine Familie und wurden nach Transsilvanien eingeladen. Also unsere anfängliche Verwirrung von anderen Menschen, welche uns verunsicherten, ließ das Vertrauen in die Menschen Rumäniens wieder aufleben und bestätigte unser anfängliches Gefühl. Rumänien wir kommen wieder und können nur sehr positiv über dich berichten.

Bulgarien

13.7.18, wir überschreiten die bulgarische Grenze, ganz unspektakulär mit 20€ Mautgebühr für 1 Woche. Länger war unser Plan auch nicht. Hier versuchten wir vergebens einen Stellplatz zu finden für die erste Nacht. Tatsächlich ist die ganze Küste am Schwarzen Meer nicht mehr mit einem Wohnmobil zugänglich, alles wurde für den Tourismus ausgebaut, Hotel an Hotel. Schade. Es ist ein sehr schöner Landstrich, Berge und Buchten zeichnen sich nach jeder Kurve in einem wundervollen Panorama vor einem ab. Die erste Nacht fanden wir ein Eckchen, was sehr ruhig gelegen war und am nächsten Tag erfolgte der ersehnte Treff mit Diana, Sandra, Leonie und Eli aus Oranienburg. Mein ChiCafe wurde wieder aufgefüllt, neue Bücher für die Kinder, Dinkelmehl, ein D-Kennzeichen als Aufkleber für den Steyni und sonstige Kleinigkeiten erwarteten uns in Nessebar. Dort parkten wir in Alt-Nessebar auf einem großen Auto- und Busparkplatz. Trafen uns mit unseren Bekannten und legten uns wie die Ölsardinen an den Sonnenstrand, ähnlich wie der Ballermann auf  Mallorca, falls es jemand nicht kennt. Wir schauten uns dieses Spektakel 2 Tage wie ein Film an, genossen dann vielmehr die wunderschöne ruhige Altstadt-Nessebar, den Austausch aus der Heimat und versuchten jede Nacht mit Technomusik einzuschlafen, welche kein Ende nahm, da sich die Beschallung über ganz Nessebar erstreckte. Dies sollte es dann auch gewesen sein. Bulgarien ist tatsächlich sehr teuer geworden und die Menschen sehen uns nur als Touristen, leider nicht mehr als Menschen, dass fand ich sehr schade. Es kam für uns wie ein Abarbeiten rüber was die einheimische Bevölkerung treibt. 

Türkei-Love

16.7.18, das Hallo ihr seid in der Türkei und habt auf eurer grünen Versichrungskarte des Steynis, dass TR für Türkei durchgestrichen und jetzt werden 300$ für die KFZ-Versicherung fällig, gab uns erst mal den Anstoß-Schitte-wie fängt es hier an, zum Einstieg. Jede Grenze begrüßt dich immer mit neuen Ideen. Wir haben natürlich nicht darauf geachtet, gut wir nehmen es wie es kommt, so ist unsere Divise der Reise. Das erste Ziel war Istanbul, für 3 Tage standen wir am Meer auf einem riesigen Parkplatz und erfreuten uns an dieser, mit Menschen überfüllten, Stadt. Was hier los ist. Es hat uns einfach nur verzaubert. Wir lernten Adem gleich am ersten Tag kennen, welcher ein Telefongeschäft besitzt, was uns sehr zu Gute kam. Kauften eine SIM-Karte mit türkischer Nummer und genossen immer mal wieder die Internetverbindung. Er nahm netterweise auch unsere Wäsche entgegen und wusch sie, gab uns viele Infos über Istanbul und der Türkei. Ein abendliches Gespräch mit Adem auf dem riesigen Parkplatz vor unserem Auto und direkt auf dem warmen Straßenboden, ließ den Abschied sehr schön ausklingen. An dieser Stelle, nochmal herzlichen Dank Adem-schön dich kennen gelernt zu haben. Wir verlassen Istanbul und nehmen leider die falsche Brücke über den Bosporus, werden raus gezogen und zahlen 35€ Strafe. Gut das alle voll beladenen Busse diese Brücke, welche wir wählten, passieren dürfen und wir als einziges Wohnmobil nicht geduldet werden. Gut dachten wir, dann finanzieren wir etwas die neue 3. Brücke. Nicht schlimm, in Deutschland gibt es sicherlich ähnliche Momente.

Wir durchstreiften das Land, trafen stets winkende hupende fröhliche Menschen, trafen Hakan aus Deutschland, welcher uns einen tollen Stellplatz in der Marina nähe Gimek zeigte, kam anschließend auf ein zwei Gläser Wein vorbei und es wurde schnell 1:00 Uhr, Zeit zum Schlafen. Es geht hier die ganze Zeit so. Niemand übersieht uns und wir sind so happy die Gastfreundlichkeit in vollen Zügen genießen zu können. Ein Campingplatz in Ören lässt uns 3 Tage stehen bleiben, wir nutzten nochmal eine Werkstatt welche uns Tibet (ebenfalls aus Deutschland) zeigte und mit seiner Landessprache türkisch, die Verständigung zum Werkstattmeister herstellte. Es läuft. Wir lernen noch die ganze Familie von Tibet kennen-Yasmin, Kahn und Kian, ebenfalls traffen wir Ahmed, Tanja, Sibel und Ilyas aus Deutschland, die Kinder genossen ihre neue Freundschaften mit Sibel und Ilyas. Spielten Fange-Verstecken mit allen Kindern auf dem Campingplatz und sind traurig bei der Abfahrt mit Abschied. Weiter gehts in Richtung Izmir, wir gabeln Burga auf, ein Jurastudent aus Istanbul, welcher seine Familie in Antalya besuchen möchte und werden mit Reggaemusik  ganze 100Kilomete begleitet. 

26.7.18 wir besuchen Izmir und Fortsetzung folgt……………

So lieben wir unsere Reise, wir tauchen in die Kulturen verschiedener Länder ein, Treffen genau zum richtigen Zeitpunkt wunderbare Menschen und arbeiten weiterhin an unseren anflatternden alten Strukturen

Also es geht uns jetzt richtig gut, wir haben jetzt verstanden was wir hier machen-EINE REISE ZU UNS SELBST-mit allem was dazu gehört. Schauen es uns an, nehmen es an und sehen dann was daraus wird. Wir drücken euch alle.

Eure Nadine.

 

 

 

 

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